Führen aus dem Homeoffice – So gelingt hybride Führung

Wie wir künftig arbeiten werden, hat sich grundlegend verändert. Eine Rückkehr in die alte Normalität wird nicht stattfinden. Wir erleben eine nie gesehene Innovationsdynamik: Arbeitsprozesse, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle werden neu erfunden. Alles wird digitaler, agiler und noch volatiler.

Lediglich Mitarbeitende aus der Produktion oder Logistik, die partout nicht von Zuhause arbeiten können, sind weiter an ihren Standorten tätig.

Die Kommunikation in vielen Unternehmen findet fast ausschließlich auf digitalen Wegen statt. Der lockere Austausch in der Kaffeeküche, das Mittagessen mit den Lieblingskollegen, das gemeinsame Lachen im Meetingraum und die Begrüßung mit Händeschütteln werden sich vermutlich dauerhaft ändern. Stattdessen wird mit weniger Menschen, freien Büros oder wechselnder Anwesenheit der unterschiedlichen Mitarbeitenden, vielleicht auch je nach Wochentag zu rechnen sein.

Viele Menschen möchten zukünftig wieder ins Büro zurückkehren, jedoch nicht in Vollzeit. Im letzten Jahr sind die Vereinbarkeitsanforderungen und Vorzüge des hybriden Arbeitens allen klar geworden. Die Menschen verbringen weniger Zeit mit dem Pendeln, konzentrieren sich besser auf ihre Arbeit und genießen bezüglich ihrer Arbeitszeiten mehr Autonomie.

Diese Arbeitslandschaft nennt sich hybrides Arbeiten — und für alle Arbeitgebenden und Führungskräfte bedeutet es, dass sie sich weiterhin damit auseinandersetzen werden, hybride Arbeitsmodelle standardmäßig einzuführen und umzusetzen.

Immer mehr Unternehmen räumen ihren Beschäftigten die Möglichkeit ein, dauerhaft auch außerhalb des Betriebs zu arbeiten. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass das durchaus geht: nicht im Betrieb und gleichzeitig produktiv und erfolgreich.

Hybrides Arbeiten funktioniert

Der Versicherungskonzern Allianz hat bereits 2018 mit einer Betriebsvereinbarung ermöglicht, dass alle Mitarbeitenden freiwillig mobil aus den heimischen vier Wänden arbeiten können. „Der maximal mögliche Anteil der Arbeitszeit zu Hause differiert und hängt von örtlichen Regelungen ab, liegt aber immer zwischen 40 und 50 Prozent“, so eine Sprecherin der Allianz gegenüber t3n. Die Erfahrungen mit Homeoffice seien zu jeder Zeit gut gewesen und somit wird wohl auch nach der Pandemie ein Hybridmodell anvisiert.

Ähnlich sieht es bei Daimler aus. Auch hier setzen sich Verantwortliche seit Jahren für die Flexibilisierung der Arbeit ein – ob Teilzeit, Jobsharing oder mobile Arbeit beziehungsweise Homeoffice und damit auch für die hybride Führung. So erklärt eine Unternehmenssprecherin gegenüber t3n, dass Mitarbeitende bereits seit Dezember 2016 ein grundsätzliches Recht haben, mobil zu arbeiten, wenn das mit der jeweiligen Aufgabe vereinbar ist. Auch hier gilt, dass vor allem Büromitarbeitende von dieser Betriebsvereinbarung profitieren. Für Kolleginnen und Kollegen beispielsweise in der Produktion, ist die Heimarbeit zweckmäßig nicht möglich. Daimler gab bekannt, dass ein Hybridmodell auch nach Corona die unternehmensweite Regel bleibt.

Was bedeutet hybride Arbeit?

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist ein Arrangement verschiedener Arbeitsplätze an unterschiedlichen Orten, das sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen lässt.

Hybride Arbeit ist eine Kombination aus mobilem Arbeiten, bürobasiertem Arbeiten und einem Mix aus beidem. Beim hybriden Arbeiten erhalten die Mitarbeitenden die Entscheidungsmöglichkeit, wie, wann und ganz wesentlich von wo aus sie am besten arbeiten.

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist hybrid

  • Das betriebliche Büro, wird nicht unwichtiger, sondern wichtiger, jedoch mit veränderter Funktion – als ein Ort des Austauschs und der persönlichen Interaktion. Es wird die Basis des Unternehmens, welche als der Ort, an dem eine Firma eine Farbe, einen Geruch, eine Gestalt erhält.
  • Bei der Arbeit im Homeoffice entfällt der Arbeitsweg für die Mitarbeitenden und die Unternehmen sparen durch rollierende Anwesenheit der Teams im Unternehmen Bürokapazitäten. Viele können zuhause mit mehr Ruhe und weniger Unterbrechungen arbeiten, andere erwartet dort das Familien-Chaos. Viele teilen sich ihr Zuhause mit Partner und/oder Kindern. Andere arbeiten besonders produktiv im Homeoffice. In der künftigen Arbeitswelt müssen wir unseren Mitarbeitenden die Freiheit bieten, diese unterschiedlichen Anforderungen in Einklang zu bringen und so zu arbeiten, wie es für sie funktioniert, damit die Vereinbarkeit klappt und wir gesunde und glückliche Mitarbeitende in den Unternehmen haben.
  • Ein flexibler Arbeitsplatz in einem Coworking Space bietet, anders als zu Hause, wo oft keine wirklich günstigen Arbeitsbedingungen vorhanden sind und Isolation droht, nicht nur eine vernünftige Büroinfrastruktur, sondern auch Gemeinschaft.
  • Die mobile Remote-Arbeit ist auch an Orten möglich, die gar nicht primär Arbeitsorte sind – im Zug, im Café, im Park oder am anderen Ende der Welt. Warum nicht einmal eine Teambesprechung beim Spaziergang?

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist zum Greifen nahe und bedeutet für viele Führungskräfte ein Stückchen Mehrarbeit und das Verlassen der Komfortzone. Führung muss neu organisiert und Regelungen müssen angepasst werden. Unternehmen müssen umdenken, ihren Mitarbeitenden Vertrauen schenken und sie manchmal auch befähigen. Aber am Ende könnte jeder und jede den Arbeitsplatz haben, den er oder sie braucht und will. So machen wir uns die Erfahrungen der letzten Zeit zunutze und lernen für die Zukunft – für gesunde Mitarbeitende und attraktive Arbeitgeber in der Transformation.

Worauf müssen sich Unternehmen und Führungskräfte einstellen?

Je nach privater Situation und Vorlieben werden die Herausforderungen der Zusammenarbeit in einem hybriden Team sehr unterschiedlich empfunden und angenommen. Führungskräfte, die von sich auf andere schließen, laufen Gefahr, die individuellen Probleme ihrer Mitarbeitenden zu übersehen.

Hybride Meetings, in denen die Mehrheit der Teilnehmer virtuell zugeschaltet und einige wenige Menschen vor Ort sind, funktionieren beispielsweise gut, wenn die Infrastruktur zur Verfügung steht. Die Bildschirme sind dabei so im Raum, mitunter auch in die Möbel integriert, dass ein Austausch zwischen anwesenden und zugeschalteten Teilnehmern auf Augenhöhe funktioniert.

Kommunikation und Vertrauen sind essenziell für hybride Führung

Hybride Führung für die unterschiedlichsten Arbeitsmodelle könnten eine effektive Lösung der Zukunft sein, um als attraktiver Arbeitgeber in den Fokus im „War of Talents“ zu rücken. Viele Organisationen haben eine flexible Arbeitskultur eingeführt oder planen, dies weiterhin zu etablieren.

Ein hybrider Arbeitsplatz legt den Fokus auf Arbeitsergebnisse und macht deutlich, welchen Mehrwert diese Fokussierung den Unternehmen bieten.

Eine Lösung für die Zukunft der Arbeit wird für jede Organisation anders aussehen. Außerdem wird sie davon abhängen, die richtige Balance zu finden, zum einen den Mitarbeitenden einen Ort zu bieten, an dem sie ihr Bestes geben können, und zum anderen den Erfolg des Unternehmens voranzutreiben.

Wenn viele Organisationen den Schritt zu hybridem Arbeiten und entsprechender Führung unternehmen, werden klare Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen unerlässlich sein, um ihn effektiv zu meistern.

Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle

Die hybride Führung der Zukunft baut auf Werte, Prinzipien und Rollen. Als essenzielle Brücke zwischen der Organisation und den Mitarbeitenden können Führungskräfte einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, Selbstverantwortung, Motivation und Vertrauen in ihren Teams zu steigern – und dafür brauchen sie die Unterstützung des Unternehmens.

Chancengleichheit ist elementar

Für alle Mitarbeitenden gelten die gleichen Bedingungen, damit sie unter diesen Umständen ihr Bestes geben können. Wer von zuhause arbeitet, fühlt sich schnell ausgeschlossen oder hat eine andere Mitarbeiter-Experience als das Team vor Ort im Büro. Darüber müssen sich Unternehmen im Klaren sein und sich entsprechend Gedanken machen, bevor sie eine hybride Führung einführen.

Unternehmen brauchen eine Kultur des Vertrauens

Die erfolgreiche Implementierung eines hybriden Modells hängt von einer Unternehmenskultur ab, die auf gegenseitigem Vertrauen zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitenden aufbaut. Dafür bieten Führungskräfte ihren Mitarbeitenden einen passenden Rahmen, in dem sie wirklich produktiv sein können. Sie müssen ihren Mitarbeitenden trotz Distanz Vertrauen und Unterstützung entgegenbringen, damit sie ihre Arbeit so erledigen können, wie es am besten funktioniert.

Fokus auf der Zwischenmenschlichkeit

Wenn Teams hybrid arbeiten, ist es für Unternehmen und deren Führungskräfte wichtig, an einer klaren, wertschätzenden Kommunikation zu arbeiten, um sicherzustellen, dass alle erreicht werden. Sie werden außerdem mehr in Technologien investieren müssen, damit ihre Teams effektiv zusammenarbeiten können — unabhängig davon, von wo sie arbeiten.

Die Beziehungen, die Führungskräfte zu ihren Teams aufbauen, werden in diesem Kontext auch an Bedeutung gewinnen. Wenn Unklarheiten bezüglich des gemeinsamen Auftrages entstehen, werden die Mitarbeitenden unsicher. Die gute Beziehung zur Führungskraft und ein regelmäßiger Austausch mit den Kollegen in regelmäßigen Online-Meetings sind unerlässlich.

Wir alle arbeiten unterschiedlich. Hybride Arbeitsmodelle verlangen von Unternehmen, dass sie ihren Mitarbeitenden die Entscheidungsfreiheit geben, wie, wann und wo sie am produktivsten arbeiten und ihr Bestes geben können.

Fazit

Es geht bei hybrider Führung in erster Linie darum, mit den Mitarbeitenden vor Ort und auch auf Distanz gleichzeitig in Verbindung zu bleiben. Die Mitarbeitenden wünschen sich das Gefühl, dass sie Teil von etwas Größerem sind und eine Verbindung zur Organisation haben. Sie wünschen sich sinnstiftende Tätigkeiten. Das Wichtigste wird sein, dass Führungskräfte den Kontakt zu ihren Mitarbeitenden unabhängig davon aufrechterhalten, ob sie sichtbar im Büro vor Ort oder allein von Zuhause aus arbeiten.

Damit diese Arbeitsweise funktioniert, brauchen Mitarbeitende das Vertrauen ihrer Führungskräfte, dass sie ihre Arbeit so gestalten können, wie es für sie am besten funktioniert und für das Unternehmen am effektivsten ist. Es ist wichtig, dass alle im Unternehmen verstehen, worauf sie hinarbeiten. Es muss klare Rahmen geben. Dies funktioniert, wenn es eine Unternehmenskultur gibt, die bestimmten Werten folgt, nämlich Commitment, Kommunikation, Respekt, Fokus, Offenheit, Einfachheit, Feedback und Mut. Durch diese Grundhaltung ist es Mitarbeitenden erlaubt, Fehler zu machen und darüber zu sprechen.

Wenn du überlegst, wie du dein Team erfolgreich mit hybrider Führung unterstützt und dich die genannten Themen vor Herausforderungen stellen, kontaktiere mich gern und abonniere meinen 14-tägigen wert-vollen Newsletter.

Du wünschst dir Unterstützung bei der Entwicklung einer vertrauensvollen und effizienten Kommunikation mit Deinem Team? In meinem Workshop Führung auf Distanz erarbeiten wir gemeinsam Möglichkeiten, eine gewinnbringende Zusammenarbeit zu fördern und souverän über Distanzen hinweg zu agieren und eine gute virtuelle Führung zu etablieren.

Wenn du noch mehr über hybride und agile Führung im digitalen Wandel lernen möchtest, lade ich dich herzlich zu meinem Workshop Hybride Führung ein! Dort erhältst du Methoden und Tools für mehr Kundenorientierung und Werte im Unternehmen an die Hand.