Werteorientierte Führung: Wie Sie unterschiedliche Generationen führen

Die Mitarbeitenden der meisten Unternehmen stammen aus unterschiedlichen Generationen. Generationsübergreifende Führung kann jedoch sehr herausfordernd sein. Führungskräfte müssen dabei unterschiedliche Werte und Ziele berücksichtigen. Wenn Sie Schwierigkeiten mit der Teamentwicklung haben und sich fragen, warum es Ihnen teilweise schwerfällt, alle Teammitglieder gleichsam ins Boot zu holen, kann ein grundlegendes Verständnisproblem der jeweiligen Generation der Hintergrund sein. Generationen führen bedeutet, die Werte und Ziele der einzelnen Generationen zu kennen und zu verstehen.

Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass jedes Individuum sich eigenständig entwickelt und eigene Werte und Ziele ausprägt. Die Einteilung in verschiedene Generationen versucht deswegen nur, die Hauptmerkmale zu benennen und zusammenzufassen und damit individuelle Führung etwas zu erleichtern.

Unsere Prägung bestimmt unsere Werte

Jede Generation erfährt eine andere Prägung, die von den äußeren Einflüssen ihrer jeweiligen Zeit geformt ist. Weltanschauungen und Ereignisse, die für uns prägend waren, haben einen bedeutenden Einfluss auf unsere persönlichen Werte und Ziele. Eine werteorientierte Führung muss sich demnach zwangläufig auch daran orientieren, mit welcher Generation wir es zu tun haben. Missverständnisse zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden rühren meist daher, dass das Verständnis der jeweiligen Werte fehlt. Beispielsweise fällt es Führungskräften der Babyboomer-Generation oft schwer, das Verhalten der jüngeren Generationen richtig einzuschätzen. Was häufig als mangelnder Respekt oder fehlendes Engagement interpretiert wird, ist tatsächlich ein Resultat unterschiedlicher Werte. Sind diese einmal verstanden, lassen sich viele Missverständnisse erkennen und Konflikte vermeiden. Daher ist es wichtig, dass Führungspersonen, die unterschiedliche Generationen leiten, sich mit der Prägung, den daraus resultierenden Wertevorstellungen und der Idealvorstellung von einer Führungskraft der jeweiligen Generation auseinandersetzen.

Die Babyboomer-Generation

Als Babyboomer wird die Generation bezeichnet, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurde. Der Name rührt von der hohen Geburtenrate in jenen Jahren. Insbesondere die älteren Jahrgänge sind mittlerweile nicht mehr erwerbstätig, sodass der Anteil der Babyboomer auf dem Arbeitsmarkt etwa 20 Prozent ausmacht. Dabei nehmen sie insbesondere in Traditionsunternehmen führende Positionen ein.
Als Kinder der Nachkriegsgeneration ist diesen Menschen der Wert der Demokratie heilig. Sie sind gemeinschaftsorientiert, lieben die Ordentlichkeit und schätzen Statussymbole wie Autos. In der Arbeitswelt zeichnen sie sich durch ein starkes Loyalitätsempfinden gegenüber dem Unternehmen aus. Das zeigt sich auch in ihrer Prioritätensetzung. Während der Beruf an erster Stelle steht und ihr Fokus auf der wirtschaftlichen Existenz liegt, stellen sie die Bedeutung der Familie hinten an. Eine ausgeprägte Teamkultur ist ihnen wichtig und sie sind in der Regel sehr führungserfahren. Allerdings vertreten sie auch einen eher hierarchischen Führungsstil mit hoher Autorität. Kritik schätzen sie daher weniger.

Babyboomer wünschen sich eine Führungskraft, die vor allem durch ihre hohen Fachkenntnisse überzeugt. Sie sollte ihre Vorbildrolle sehr ernst nehmen und eine hohe Loyalität zum Unternehmen an den Tag legen.

Die Generation X

Das „X“ sollte ursprünglich auf die Verweigerung einer eindeutigen Namensgebung der Generation anspielen – und etablierte sich paradoxerweise sehr schnell als eindeutige Bezeichnung der Jahrgänge von 1965 bis 1980. Diese Generation ist geprägt von der Verunsicherung, die aus der Ölkrise und der Stagnation auf dem Arbeitsmarkt hervorgegangen ist. Gesellschaftliche Veränderungen wie steigende Scheidungsraten und vermehrte Migration hat das Gefühl der Ohnmacht verstärkt und führte zum Infragestellen traditioneller Institutionen wie Ehe und Autorität. Die Generation X macht heute etwa die Hälfte aller Beschäftigten aus.
Meist sehr gut ausgebildet definiert sie sich in erster Linie durch ihren Erfolg und ihre beruflichen Kompetenzen. Dabei hat jedoch die Individualität und Selbstständigkeit einen hohen Stellenwert, wodurch es dieser Generation an Teamfähigkeit mangelt. Dieser Aspekt sollte unbedingt berücksichtigt werden, wenn Führungskräfte verschiedene Generationen führen müssen. Ein Nicht-Wollen darf hier nicht als Widerstand missinterpretiert werden. Stattdessen ist es für die erfolgreiche werteorientierte Führung wichtig, das Bedürfnis nach Individualität dieser Generation bei der Teamzusammenstellung zu berücksichtigen.

Die ideale Führungskraft für die Generation X muss mit eigenen Erfolgsleistungen zu beeindrucken wissen. Eine hohe Produktivität und ausgeprägte Prozesskenntnisse sind ebenfalls hoch angesehen.

Leider wachsen die Klischees, dass Mitarbeitende 50+ wenig Lust auf Weiterbildungen haben, was sehr oft nicht der Realität entspricht. Daher bieten einige Firmen für diese Gruppe nur noch selten Personalentwicklungsmaßnahmen an. In Anbetracht des steigenden Rentenalters und der Digitalisierung ist dies allerdings sehr kurzsichtig. Denn nur sehr wenige Mitarbeitende möchten die letzten zehn oder 15 Jahre ihres Berufslebens irgendwo „parken“. Außerdem profitieren auch die Unternehmen davon, wenn Mitarbeitende ihr Leben lang lernen wollen und Seniorführungskräfte ihren Führungsstil jungen Mitarbeitenden anpassen.

Die Generation Y

Auf die Generation X folgt konsequenterweise die Generation Y. Das Synonym „Millennials“ impliziert bereits, dass damit jene Menschen gemeint sind, die zwischen 1981 und der Jahrtausendwende geboren wurden. Sie sind bislang mit ca. 30 % auf dem Arbeitsmarkt vertreten.

Die Lebenswelt der Generation Y ist geprägt durch die Globalisierung, den Klimawandel und den Einschnitt in die demokratische Grundordnung, der durch die 9/11-Anschläge eingeläutet wurde. Insbesondere die ausgeprägte Digitalisierung hebt diese Generation von ihren Vorgängern ab. Die massive Nutzung des Internets, von Mobiltelefonen und Social Media erlaubt ihnen eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit. Diese spiegelt sich auch in ihrer Arbeitsweise wider. Arbeit wird bei der Generation Y nicht mehr als das Gegenteil von Freizeit definiert. Stattdessen soll sie der Selbstverwirklichung und persönlichen Weiterentwicklung dienen. Entsprechend ziehen die meisten Vertreter dieser Generation keine strikte Linie zwischen Arbeit und Freizeit. Daraus ergibt sich, dass sie E-Mails häufig auch im Urlaub beantworten und man in Büros, in denen vorwiegend Millennials arbeiten, häufig auf Kickertische und Tischtennisplatten trifft. Arbeit muss für diese Generation nämlich Spaß machen. Aber auch die Sinnstiftung steht an oberster Stelle. Die englische Aussprache der Generationenbezeichnung weist bereits auf die Bedeutung des Warums („Why“) hin.

Eine ideale Führungskraft für die Generation Y gibt sich authentisch, hört ihren Mitarbeitenden aufmerksam zu und redet mit ihnen transparent und auf Augenhöhe. Sie muss ihnen vermitteln, warum ihre Arbeit wichtig ist und worin der Zweck der ihnen übertragenden Aufgaben liegt. Auch Feedback ist sehr willkommen, um den Weiterentwicklungsdrang dieser Generation zu befriedigen. Werteorientierte Führung darf hier aber nicht heißen, die Werte und Bedürfnisse blind zu bedienen. Die Generation Y braucht auch ein aufmerksames Auge, um sich selbst in ihrem Arbeitseifer nicht zu überlasten.

Die Generation Z

Da die Vertreter der Generation Z ab der Jahrtausendwende geboren wurden, gibt es noch nicht viele Berufstätige aus dieser Generation. In Gestalt von Werkstudenten und Praktikanten treffen dennoch viele Führungskräfte auf die jüngste der vorgestellten Generationen. Deswegen lohnt sich auch ein Blick auf diesen Nachwuchs.
In vielen Punkten sind sich die Generation Y und die Generation Z sehr ähnlich. Zudem teilen sie einen weiteren prägenden Einfluss: die digitalen Medien. Das Weltbild der „Gen Z“ wurde stark von Fernsehen, Internet, Smartphones & Co. geprägt. Soziale Netzwerke, das Web sowie digitales Arbeiten – all das gehörte für die Generation Z von klein auf selbstverständlich zum Leben und hat natürlich entsprechende Spuren hinterlassen. Die Generation Z scheint allerdings wieder deutlich traditioneller zu werden. Das Eigenheim, eine stabile Familie, eine solide Ausbildung und ein sicherer Job haben einen hohen Stellenwert. Dadurch knüpfen die Jungen wieder an traditionelle Werte ihrer Elterngeneration, der Generation X, an.

An oberster Stelle stehen auch für die Generation Z nicht die Arbeit, eine steile Karriere oder finanzieller Reichtum, sondern Zeit für die Familie, persönliche Freiheit, Selbstverwirklichung und schlicht der Spaß am Leben. Sie haben einen großen Wunsch nach freier Entfaltung, sind sich aber auch ihrer unsicheren Zukunft bewusst. Auf der Suche nach einem Arbeitgebenden schauen Sie, ob das Unternehmen sinnstiftende, mildtätige Projekte initiiert und nachhaltig arbeitet.

Nun kennen Sie die prägenden Hintergründe, die Werte und Bedürfnisse der verschiedenen Generationen und können diese Kenntnisse für Ihre werteorientierte Führung gewinnbringend einsetzen. Natürlich handelt es sich hierbei um Pauschalisierungen. Behalten Sie die Einzigartigkeit der einzelnen Mitarbeitenden im Blick! Das Verständnis für die unterschiedlichen Wertevorstellungen wird Sie dabei unterstützen, alle Mitarbeitenden in ein Boot zu holen und die verschiedenen Generationen erfolgreich zu führen.

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