Was wir von den Führungskräften bei Google lernen können Teil 1

Seit Jahren gilt Google als einer der beliebtesten Arbeitgeber weltweit. Die Methoden, die das Unternehmen für diesen Erfolg nutzt, kann jeder anwenden. Dabei ist der beispielhafte Erfolg von Google fast schon beängstigend. Die Suchmaschine hat in Europa und Deutschland einen Marktanteil von über 90 %. Seit Kurzem hat der Mutterkonzern Alphabet gar Apple als wertvollstes Unternehmen überholt. Neben diesen Erfolgszahlen sprechen auch andere Gründe dafür, dass Bewerber dem Unternehmen nahezu die Türen einrennen. So hat Google 10 Gewohnheiten hochwirksamer Führungskräfte ausgemacht. Die ersten fünf lernst du in diesem Artikel kennen. Im zweiten Teil dieser Blog-Serie erfährst du, welche Gewohnheiten du außerdem von den Führungskräften bei Google lernen kannst.

Was macht Google anders?

Googles Personalchef Laszlo Bock gibt in seinem Buch „Work Rules!: Wie Google die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, verändert“ erstaunlich offene Einblicke in die Arbeit innerhalb des Unternehmens. Dabei hat er zehn Gewohnheiten formuliert, die hochwirksame Führungskräfte ausmachen.

1. Sei ein guter Coach

Auftretende Probleme verstehen Führungskräfte bei Google nicht als Hindernis, sondern sehen darin eine Lernsituation für die Mitarbeitenden. Die Lösung wird gemeinsam erarbeitet.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass du Fehler oder Probleme im Arbeitsablauf nicht als Anlass nimmst, einen Schuldigen zu suchen oder die Sache selbst in die Hand nimmst. Stattdessen ist es konzentrierst du dich gemeinsam mit den Mitarbeitenden auf Lösungsansätze und kannst Fehler (ruhig) als Chance zum Wachstum feiern. Den Begriff „Coach“ finde ich an dieser Stelle jedoch etwas unglücklich gewählt. Passender wäre hier „Begleiter“, da du deine Mitarbeitenden auf dem Weg zur Lösung und damit im Lernprozess begleitest.

2. Ermächtige dein Team und vermeide „Micro-Management“

Führungskräfte bei Google geben ihren Mitarbeitenden ein Maximum an Freiheit – in der Wahl der Arbeitszeiten und des Arbeitsplatzes, in der Entwicklung neuer Ideen und dem Einschätzen von Risiken. Was in traditionell geführten Unternehmen vielleicht als unmöglich angesehen wird (und in manchen Branchen teilweise auch tatsächlich nicht funktionieren kann – eine Bankkauffrau oder ein Mitarbeitender im Einzelhandel können sich ihren Arbeitsplatz nicht aussuchen), funktioniert im wertvollsten Unternehmen der Welt sehr gut. Der Schlüssel liegt hier in dem Vertrauen, das Führungskräfte ihren Angestellten entgegenbringen. Aus diesem Grund ziehen sie sich auch aus dem sogenannten Micro-Management zurück. Das heißt, sie kümmern sich um das große Ganze, überlassen die Details aber vertrauensvoll ihren Mitarbeitenden. Dadurch geben sie ihnen das nötige Empowerment.

Hintergrund dieser Maxime ist weniger die Tatsache, dass Führungskräfte sich auf diese Weise nicht in Einzelheiten verlieren, als vielmehr die Wirkung, die das so entgegengebrachte Vertrauen auf die Mitarbeitenden hat. Wer seinem Team vertraut und es das durch entsprechend übertragene Verantwortung spüren lässt, wird schnell merken, wie die Motivation und Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigt. Denn indem du dich auf deine Mitarbeitenden verlässt, zeigst du ihnen, dass du sie und ihre Arbeit wertschätzt.

3. Schaffe eine integrative Umgebung für das Team und kümmere dich um Erfolg und Wohlergehen deiner Mitarbeitenden

In diesem Zusammenhang heißt das Schlüsselwort der Führungskräfte bei Google „psychological safety“, also „psychologische Sicherheit“. Gemeint ist damit, dass die Mitarbeitenden davon ausgehen können, dass selbst wenn sie einen Fehler gemacht haben, sowohl das Team als auch die Führungskraft hinter ihnen stehen. Dadurch wird erst ermöglicht, dass Fehler offen zur Sprache kommen und gemäß der ersten Maxime die gemeinsame Suche nach Lösungsmöglichkeiten beginnen kann.

Meiner Meinung nach liegt es auf der Hand, dass ein Arbeitsumfeld, das von Angst geprägt ist und ein Sicherheitsgefühl vermissen lässt, nicht produktiv sein kann. Gib deinen Mitarbeitenden daher das Gefühl, dass sie offen mit dir sprechen können und du bereit bist, ihnen zu helfen. Innerhalb einer solchen sicheren Arbeitsumgebung können sie ihr volles Potential frei entfalten und motiviert arbeiten. Dabei solltest du allerdings die individuellen Werte deiner Mitarbeitenden im Blick haben. Während sich die Mitarbeiterin A sicher fühlt, wenn sie selbstverantwortlich handeln kann, braucht Mitarbeiter B womöglich die Sicherheit, dass er dich jederzeit bei Unklarheiten um einen prüfenden Blick auf sein Werk bitten kann.

4. Sei produktiv und ergebnisorientiert

Führungskräfte bei Google beschränken sich nicht darauf, von ihrem Chefbüro aus darauf einzuwirken, dass die Ziele erreicht werden. Das Unternehmen legt großen Wert darauf, dass die Vorgesetzten nicht die Rolle von „Alphatieren“ einnehmen. Sie sollen selbst mit anpacken – auch wenn das bedeutet, eine Hierarchiestufe abzusteigen und am operativen Geschäft teilzunehmen. Dadurch zeigen sie, dass sie ebenfalls produktiv und ergebnisorientiert arbeiten und nicht auf eine Sonderstellung als Vorgesetzte pochen.

Eine Führungskraft, die selbst mit Hand anlegt, integriert sich auf diese Weise in das Team und zeigt, dass sie ein Teil davon ist. Auch dadurch drückst du deine Wertschätzung gegenüber deinen Mitarbeitenden aus. Du bist dir nicht „zu schade“, mit ihnen an einem Tisch zu sitzen. Wichtig ist allerdings, dass du nicht in das Micro-Managing verfällst und nicht kontrollierend, sondern gleichwertig mitarbeitest. Vergiss dabei aber nicht deine eigentliche Aufgabe: das Führen der Mitarbeitenden. Du musst nicht alles am besten können, sondern dich darauf konzentrieren, dass du am besten führen und dafür die Aufgaben deiner Mitarbeitenden verstehen kannst.

5. Sei ein guter Kommunikator, höre zu und teile Informationen

Wissen ist Macht. Das hat natürlich auch Google erkannt und verkündet daher: Die besten Führungskräfte sind immer auch gute Zuhörer. Sie verstehen es, aktiv zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen und sich in ihr Gegenüber einzufühlen. Dadurch sind sie immer auf dem Laufenden und wissen jederzeit, was ihre Mitarbeitenden bewegt. Gleichzeitig halten sie selbst mit ihren Informationen nicht hinter dem Berg, sondern kommunizieren transparent und detailliert. Denn wenn auch die Mitarbeitenden im Bilde über Unternehmensentscheidungen und Arbeitsabläufe sind, können sie ihre eigene Arbeit entsprechend einordnen und ausrichten.

Es ist mir wichtig zu betonen, dass Führungskräfte sich als eine Art Informationsmanager verstehen sollten. Sie müssen Daten filtern und entscheiden, was in der jeweiligen Situation relevant ist. Dadurch schaffen sie eine gute Wissenskultur.

Wenn du gleichzeitig deinen Mitarbeitenden aufmerksam zuhörst, zeigst du ihnen zudem, dass dir ihre Meinung und ihre Bedürfnisse am Herzen liegen. Sie erfahren somit eine Wertschätzung, die sich positiv auf ihr Sicherheitsgefühl, ihre Motivation und letztlich auf ihre Leistungen auswirkt.

Im zweiten Teil dieser Blog-Serie verrate ich dir alles über die weiteren 5 Gewohnheiten der hochwirksamen Führungskräfte bei Google. Bleibe gespannt! Damit du keinen Blog-Artikel mehr verpasst, abonniere meinen 14-tägigen wert-vollen Newsletter.